Screen Time

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3 Minuten

Ich folge einem Podcast aus Texas/USA (Alec Zeck The Way Foreward). In Folge 131 (min 56) unterhalten sich zwei Podcaster in ihrer Rolle als Väter über das Thema Screentime (dt. Bildschirmzeit) für ihre Kinder. Alec hatte dabei den Ansatz eine bestimmte Bildschirmzeit für den Tag vorzugeben und wenn die Kinder mehr wollen, müssen sie es sich verdienen. Sein Problem mit dieser Methode war: Alle Aktivitäten die zum verdienen von Medienkonsum von den Kindern erledigt wurden, waren dann wieder auf den Medienkonsum fokussiert. Also die Aufmerksamkeit richtete sich in seinen Augen zu stark auf das Thema Bildschirmzeit.


Sprich, seine Kritik an den Medienmarken könnte sein, dass wenn man Marken für Sport/Bewegung, Lesen und Bildung oder Mithilfe im Haushalt gibt, dann dreht sich bald alles nur noch um Bildschirmzeit und nicht mehr um die Aktivität selber. Das ist eine wichtige Überlegung, die ich mir bereits selber oft gestellt habe.


Meine Gedanken dazu: Das Kind denkt auch ohne das Medienmarken-System darüber nach, wie es mehr Bildschirmzeit konsumieren kann als Mama und Papa erlauben. Ob mit oder ohne Marken bewegt es dieses Thema in seinem Kopf. Denn seien wir mal ehrlich: Bildschirme können süchtig machen. Es ist untersucht worden, wie sich der Konsum zum Beispiel von Filmen auf unseren Dopamin Haushalt auswirkt: Das Gehirn produziert während die bunten Bilder laufen andauernd Dopamin Kicks ähnlich wie beim Konsum von Kokain.

Achte einmal darauf wie extrem bunt Kindersendungen sind. Farben haben ein hohe Anziehungskraft auf Kinder und auch auf unsere Aufmerksamkeit. Wenn du mir nicht glaubst, versuche doch mal dein Handy für eine Woche auf Schwarz/Weiß umzustellen und messe dann deinen eigene Bildschirmzeit im Vergleich zu vorher. Ich habe das selber noch nicht versucht, aber eine Studie der Fachzeitschrift „Computers in Human Behaviours“ hat in Berichten zu Folge die Bildschirmzeit spürbar verringert.

Verlieren wir uns nicht gerne in Filmen?

Bei Experimenten zum Thema Fernsehen mit Kindern wurde festgestellt, dass während des Fernsehens das Kind wie in einen Hypnosezustand verfällt. Die Augen sind weit geöffnet, der Blick starr und unbeweglich, die Atmung flach und der Körper in einer fast unnatürlichen Haltung zum Gerät. Und ist diese Hypnose nicht genau das, warum wir uns so gerne in Filmen verlieren? Mal 90 Minuten woanders sein, Gefühle fühlen, die im Alltag fehlen, sich auf gar nichts anderes konzentrieren als auf die Geschichte, die sich gerade vor unseren Augen entfaltet. Was ich sagen will: Bildschirme, Computerspiele und Co. können verdammt süchtig machen. Und eine Sucht kann man nicht durch Verbote unterdrücken oder „in den Griff kriegen“, sondern nur, indem sich der Süchtige bewusst macht, dass er süchtig ist. Fernsehen und insbesondere Computerspiele mit ausgefeilten Belohnungssystemen triggern unser körpereigenes Drogenlabor, dass unser Gehirn mit Dopamin flutet, sobald die Kiste flimmert.

Kann ich von mir sagen, dass mich das als Erwachsenen nicht betrifft? Nein, auch ich muss meinen Bildschirmkonsum täglich kontrollieren und gegebenenfalls anpassen. Die Grenzen die ich mir setze, setze ich mir freiwillig und achte bei meinem Bildschirmkonsum meistens auf Qualität. Und ja, manchmal belohne ich einen langen Arbeitstag mit einem schönen Film. Und tun wir das nicht ohnehin auch ohne die Medienmarken, dass unsere Kinder belohnt werden mit einem Besuch im Kino oder einem schönen Abendfilm? Mit den Medienmarken entsteht nicht das Problem des Fokus auf die Bildschirmzeit indem man sich diese verdient.

Mit den Medienmarken schaffst du es endlich ein System in den Medienkonsum zu bringen, mit dem das Kind lernt seine Lust auf Daddeln oder Fernsehen selbst zu regulieren. Es lernt seine eigene innere Medienkompetenz. Es gibt in diesem System Regeln, die du vorgibst und damit einen sicheren Rahmen um spielerisch mit den eigenen Bedürfnissen im Kontrast zu seiner Außenwelt umzugehen.

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